| Buchempfehlungen | |||||
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Utta Isop, Viktorija Ratkovic, Werner Wintersteiner (Hg.) Spielregeln der Gewalt Kulturwissenschaftliche Beiträge zur Friedens- und Geschlechterforschung Juni
2009, 290 S., kart., 28,80 €
Die Beiträge, des Buches, dokumentieren die Ergebnisse des interdisziplinären Forschungsnetzwerk „Kultur & Konflikt“, der Alpen-Adria Universität Klagenfurt. Faszinierend die Aspekte, die herausgegriffen und bearbeitet wurden. Schon die Aufteilung der drei Kapitel 1. Frieden-Kultur-Gewalt; 2. Psyche-Kultur-Gedächtnis; 3. Geschlecht-Ökonomie-Kultur und 4. Medien-Macht-Historizität verdeutlichen die Vielfalt der Diskussionsbeiträge, die in diesem Buch veröffentlicht wurden. Jedes Kapitel verfügt über eine Einführung, die einen recht guten Überblick über die Beiträge liefert. Die Beiträge selbst ergänzen sich und regen an selbst weiterzudenken. Ich greife zwei Beiträge heraus, die mich am meisten beeindruckt und zur Weiterarbeit „genötigt“ haben. Der erste Beitrag von Wilfried Graf zur Friedenstheorie Johan Galtungs, erklärt und ergänzt den Ansatz mit den Konzepten einer symbolischen Gewalt von Saner und Bourdieu, sowie dem sozialen- tiefenpsychologischen Sichtweisen von Negt/Kluge und Jameson. In der Beschreibung des Ansatzes von Saner wird deutlich, das Galtung in seiner Beschreibung der kulturellen Gewalt mehr die „imaginäre“ Gewalt der kulturellen Bedeutungen beschreibt. Saner fasst in seinem Ansatz die imaginäre strukturelle Gewalt unter den Begriff der „symbolischen“ Gewalt. Dies passt wiederum sehr gut zu unserem eigenen ATCC-Ansatz, der kulturelle Symbole ebenfalls in das Zwischenfeld von Struktur und Kultur legt. Die Beziehung des „kollektiven Unbewussten“ zum globalen Zivilisationsprozess gibt erste Ansätze zu einer komplexen Zivilisationstheorie, die dazu führen könnten, die Selbsttäuschungen in der eigenen Kriegsdynamik zu erkennen. Der Aufsatz von Anna Bergmann zu den „neuen Männern braucht das Land…“ zur „Darstellung von Gewalt und Geschlechterbildern in der westlichen Berichterstattung über den Afghanistan- und Irakkrieg“ , führt uns in die „Begleiterscheinungen“ unserer Beteiligung an diesen Kriegen. Sie macht in Beispielen der aktuellen Berichterstattung deutlich, wie alte Klischees der „minderwertigen“ Männer reaktualisiert werden. so z.B. die Bilder von sich „unsoldatisch“ bewegenden Männer in Afghanistan im Vergleich zu Bildern der Gegner im ersten oder zweiten Weltkrieg. Die zunehmende Verharmlosung von Gewalt der Besatzer wird an dem Beispiel der Berichte zur Totenschändung verdeutlicht. Ein weiterer Aspekt in den aktuellen Berichterstattungen sind die Bilder zur Frau als Soldatin. Wir finden sie in den Folterbildern von Abu Ghraib in der Person von Lynndie England, die die Empörung der Welt auf sich gezogen haben. Was von der Autorin richtig angemerkt wird, ist die Tatsache, dass vor lauter Empörung über dieses Verhalten der Frau völlig aus dem Blickfeld rückte, dass Folter und Tötung in diesem Gefängnis an der Tagesordnung war. Der Aufsatz macht erschreckend klar, dass die mediale Kriegsführung ihre Wirkung zeigt. Nicht umsonst versucht die Bundesregierung ihre hochgerüstete Kriegsführung als Polizeiaktion zu verkaufen. Das Buch ist sehr empfehlenswert und ein wichtiger Beitrag zur Konfliktforschung. Einzelne Aufsätze lassen sich für Seminare gut verwenden.
Theorie sozialer Konflikte Ein klassiker der Sozialwissenschaften. ISBN 978-3-531-16582-0 Das Buch wurde 1956 veröffentlicht und setzt sich mit der Theorie der sozialen Konflikte auseinander. In einem wissenschaftlichen Diskurs mit Georg Simmels Untersuchung über den "Streit" legt Coser in diesem Buch seine Theorie dar. Er erklärt die Gedankengänge vom Simmel und entwickelt in vielen Fällen eigene Gegenthesen. Er versucht sich mit Definitionen des Konfliktes und vor allem was einen allgemeinen Konflikt von einem sozialen Konflikt unterscheidet. Die Übersetzung und Veröffentlichung ist ein Verdienst des Verlags für Sozialwissenschaften.
Interkulturelle Komeptenz im Wandel Bd 1. Grundlegungen und Diskurse zu interkultureller Kompetenzentwicklung, ISBN: 9783-643-10082-5 In der "Naviation" durch den interkulturellen Dschungel bieten die drei Herausgeber eine sehr guten Überblick über die Themen die aktuell verhandelt werden. Sie führen die dann folgenden Artikel ein und beschreiben wie die SIETAR Deutschland zur Herausgabe der beiden Bände gekommen ist. In den ersten Artikeln sind viele bekannte Details zur wissenschaftlichen Erarbeitung des Themas zu finden. Interessant wird es mit den Artikeln von Dominic Busch, Juniorprof. in Frankfurt/Oder, der sich mit der Frage der interkulturellen Mediation beschäftigt. Er beschreibt die Veränderung der "Ideale interkultureller Verständigung" und räumt mit der Idealisierung der "Neutralität" in diesem Verfahren auf. "Demnach kann gefolgert werden, dass die gängige mediatorische Praxis über lange Zeit deshalb nicht kritisiert wurde, weil sie den gesellschaftlichen Vorstellungen von einer wünschenswerten Form der Konfliktbearbeitung (hier: effizient und schnell) weitestgehend entsprach." (S. 145) Ein weiterer interessanter Artikel stammt von Maria do Mar Castro Varlera, zur Integrationsfrage. Sie geht mit der staatlichen "Integrationspolitik" ins Gericht und beschreibt wie wenig interkultureller Kompetenz die staatlichen Stellen in ihrer Integrationspolitik zeigen. Leider vermisse ich die Auseinandersetzung mit dem transkulturellen Ansatz. Dieser Begriff taucht eher als eine lästige Worthülse in der Diskussion auf.
ISBN: 978 3-643-10082-2, Bei diesem Band hatte ich dieHoffnung, dass es um eine praktische Reflexion der Ausbildungs- und Trainingsansätze gehen würde. Es ist nur bedingt so. Zwar findet sich eine sehr interessante Auseinandersetzung mit der Methode der "Fallstudien", von Karla Eubel-Kasper, das gesamte Buch bleibt aber auch, bis auf eine Ausnahme, von Eva Keuk und Wolfram Gießler, hier in der eher klassischen "nationalkulturellen" Sicht hängen. Die beiden Autoren beschreiben am Beispiel eines EQUAL-Projektes verschiedene Diversity Trainings im Gesundheits- und Sozialwesen.
Band 1: Rassismustheorie und - forschung. ISBN 978-3-89974367-8, Der erste Band beginnt mit einer Beschreibung des wissenschaftlichen Feldes undgeht dann über in die systematischen und historischen Einordnungen. Die Aufsätze sind gut lesbar und betrachten die unterschiedlichsten Formen des Rassismus. Das 2. Kapitel beschreibt die Schwierigkeiten, die mit dem Begriff überhaupt existieren. Darin finden sich ein recht interessanter Aufsatz von Eske Wollrad, der sich mit Rassismus in Kinder und Jugendliteratur beschäftigt. Wo findet Diskriminierung und Rassismus heute statt, ist Inhalt des 3. Kapitels. Alle Aufsätze sind spannend und anregend geschrieben. Manche von ihnen können in Seminaren für Textarbeiten genutzt, bzw. zur Erörterung mit dem Thema weitergegeben werden.
Band 2; Rassismuskritische Bildungsarbeit; ISBN 978-3-89974368-5 Dieser zweite Band, wird auch wieder sehr gut und zusammenfassend eingeleitet. Die Einleitungen geben einen guten Überblick zu den Fragen, die antirassistische oder rassismuskritische Bildungsarbeit heute plagen. Der Artikel von Annita Kalpaka macht mit den Fragen weiter und hat mich zumindest zu einigen Antworten gebracht. Das Kapitel 2 stellt eine wichtige Frage nach der Legitimation rassismuskritischer Interventionen, wie z.B. das Trainingskonzept „Blue-Eyed“. Die Beschreibungen der Erwachsenen- und Jugendtrainings, die sich in Deutschland tummeln sind kritisch und geben einen guten Eindruck über die Möglichkeiten und Grenzen wieder. Was für mich sehr erhellend war, ist die „Reproduktions“-Idee, dass Einwanderer Rassismen übernehmen oder sogar mit hierher bringen. Ein sehr empfehlenswertes Buch für alle die im Bereich sozialer Konflikte und transkultureller Arbeit tätig sind.
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